Die großen Sieben

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Die großen Sieben – die rahgetakelten Fünfmaster der Handelsschifffahrt

1890 lief in Partick bei Glasgow, bei D. & W. Henderson & Son, mit der FRANCE (I) die erste Fünfmastbark für die Handelsschifffahrt vom Stapel. Auftraggeber war die französische Reederei Antoine-Dominique Bordes & Fils, Dunkerque. Mit einer Länge (über alles) von 133 Metern und 3784 Bruttoregistertonnen, war die FRANCE (I) zu diesem Zeitpunkt das größte Segelschiff der Welt. Eingesetzt wurde die Bark für Kohle- und Salpeterfahrten zwischen Europa und Südamerika. Am 10. Mai 1901 befand sich die FRANCE mit einer Ladung Kohlen auf der Reise nach Valparaiso, als sie in der Nähe des Rio de la Plata in einen heftigen Pampero geriet und die Ladung verrutschte. Das Schiff kenterte, und die Mannschaft wurde von der deutschen Viermastbark HEBE II aufgenommen, bevor das Schiff sank. Diesem Schiff sollten noch sechs weitere Fünfmaster folgen, die mit der FRANCE eine weitere Gemeinsamkeit hatten: Alle gingen durch Unfälle oder Fremdeinwirkung verloren.

FRANCE - Seemannsarbeit im Windjammer-Museum
FRANCE – Seemannsarbeit im Windjammer-Museum

MARIA RICKMERS

Der zweite Fünfmaster war die MARIA RICKMERS. Der 1891 bei Russel & Co. in Glasgow für die Rickmers Reismühlen, Rhederei- und Schiffbau AG, Bremerhaven, erbaute Auxiliarsegler, hatte eine Länge (über alles) von 135 m und wurde mit 3822 BRT vermessen. Das Schiff machte nur eine Reise. Es segelte im März 1892 von Bremerhaven über Barry und Cardiff nach Saigon. Von dort trat es am 14. Juli 1892 die Heimreise mit einer Ladung Reis an. Nachdem die MARIA RICKMERS die Sundastraße passiert hatte, verlor sich ihre Spur im Indischen Ozean und gilt seither als verschollen.

MARIA RICKMERS
MARIA RICKMERS

Potosi

Die Fünfmastbark POTOSI, der Reederei Laeisz, folgte, und war bei ihrem Stapellauf 1895 bei Joh. C. Tecklenborg/ Geestemünde, das nächste Segelschiff, das als das größte der Welt galt. Es hatte eine Länge (über alles) von gut 133 Metern und wurde mit 4026 Bruttoregistertonnen vermessen. Gebaut wurde das Schiff für Salpeterfahrten zwischen Chile und Deutschland. Erster Schiffsführer war Robert Hilgendorf. Die POTOSI wurde zu Beginn des ersten Weltkrieges in Valparaiso interniert und 1920 als Reparationsleistung an Frankreich abgeliefert. Nach Weiterverkauf nach Argentinien und anschließend nach Chile, fuhr das Schiff noch bis 1925 als FLORA, bis es mit einer Kohleladung vor der Küste Patagoniens ausbrannte und von einem argentinischen Kreuzer versenkt werden musste.

POTOSI - Seemannsarbeit im Windjammer-Museum
POTOSI – Seemannsarbeit im Windjammer-Museum

PREUSSEN

Darauf folgte die PREUSSEN, das einzige, jemals für die Handelsschifffahrt gebaute Fünfmastvollschiff. Das Schiff lief 1902 ebenfalls bei Joh. C. Tecklenborg in Geestemünde vom Stapel und wurde mit 5081 Bruttoregistertonnen vermessen. Die PREUSSEN war berühmt für ihre guten Segeleigenschaften und die Ausmaße waren beachtlich: 124,29 Länge (147 Meter über alles), 16,33 Meter Breite und ein Tiefgang von 8,26 Meter. Die PREUSSEN wurde ebenfalls in der Salpeterfahrt eingesetzt, transportierte aber auch kurzzeitig Petroleum nach Japan. In der Nacht vom 5. zu 6. November 1910 kollidierte die PREUSSEN im Ärmelkanal mit dem Dampfer BRIGHTON. Bei dem Versuch, die PREUSSEN nach Dover zu schleppen, brachen im Sturm die Schlepptrossen und die PREUSSEN strandete und ging in der Folge verloren.

PREUSSEN in Geestemünde
PREUSSEN in Geestemünde

R. C. RICKMERS

1906 wurde von der Rickmers Reismühlen, Rhederei und Schiffbau AG, auf der eigenen Werft in Bremerhaven, die Fünfmastbark R. C. RICKMERS gebaut. Auch dieses Schiff galt bei seinem Stapellauf als das größte rahgetakelte Schiff der Welt. Andererseits hatte es aber auch eine Hilfsmaschine mit einer Leistung von 1160 PS. So wurde die R. C. RICKMERS von vielen als größtes Segelschiff der Welt bezeichnet, von anderen jedoch als Segeldampfer. Die Dimensionen des Fünfmasters waren jedenfalls recht beachtlich. Mit 146 m (Länge über alles) und 5548 Bruttoregistertonnen überflügelte sie sowohl die POTOSI, wie auch die PREUSSEN. Allerdings war das Auxiliar-Segelschiff kein wirtschaftlicher Erfolg. Nach sechs Rundreisen, die das Schiff unter anderem nach New York, Bangkok, Sydney, Valparaiso und Wladiwostok führte, wo ihr sogar Zar Nikolaus II. einen Besuch abstattete, wurde sie zum Schulschiff umgebaut. 1914 wurde das Schiff in Cardiff beschlagnahmt und in NEATH umbenannt. Auf ihrer letzten Reise transportierte die NEATH eine Ladung Zucker von Mauritius, als sie 28 Seemeilen vor Fastnet Rock (Irland) am 27. März 1917 vom deutschen U-Boot U 66 versenkt wurde.

R. C. Rickmers im Hamburger Hafen
R. C. Rickmers im Hamburger Hafen

FRANCE II

Am 09. November 1911 lief bei Chantiers et Ateliers de la Gironde, Bordeaux, die stählerne Fünfmastbark mit Hilfsmotor FRANCE (II), für die Reederei Prentout-Leblond, Leroux & Cie., vom Stapel. Mit 146 m Länge (über alles) und 5633 Bruttoregistertonnen war sie das tatsächlich größte jemals gebaute rahgetakelte Schiff. Die FRANCE segelte zwischen Nordamerika, Australien, Neu-Kaledonien, Afrika und europäischen Häfen und transportierte verschiedene Güter wie Getreide, Leder, Kaffee oder Tropenholz.In der Nacht zum 12. Juli 1922 lief das Schiff auf das Ouano-Riff, 43 Seemeilen nordwestlich von Nouméa (Neukaledonien) auf. Die Australian Salvage Company schickte zunächst einen Bergeschlepper zur Bergung, dieses Vorhaben wurde aber schließlich verworfen. 1922 wurde das Wrack an ein örtliches Abwrackunternehmen zum Ausschlachten verkauft.

Die FRANCE II in Bordeaux
Die FRANCE II in Bordeaux

KØBENHAVN

Der letzte rahgetakelte Fünfmaster, der in Auftrag gegeben wurde, war die dänische Fünfmastbark KØBENHAVN. Der fast 132 Meter lange (Länge über alles) und mit 3901 Bruttoregistertonnen vermessene Frachtsegler, lief 1921 in Leith bei Ramage & Ferguson vom Stapel. Die KØBENHAVN wurde als frachtführendes Segelschulschiff eingesetzt. Die Besatzung bestand aus einer Stammmannschaft von 15 Mann und 45 Seekadetten. Am 14. Dezember 1928 verließ die KØBENHAVN Buenos Aires mit Melbourne als Ziel. Zuletzt gesichtet wurde sie östlich von Montevideo. Seitem gilt die KØBENHAVN als verschollen. Eine größere Suchaktion blieb ohne Ergebnis. Obwohl das Schiff mit Funk ausgestattet war, hat man nie wieder etwas von ihm gehört, was zu verschiedenen Spekulationen über mögliche Gründe für den Verlust des Schiffes führte. Mit dem Verschwinden der KØBENHAVN war das Kapitel der rahgetakelten Fünfmaster in der Frachtfahrt abgeschlossen. Schiffe dieser Größe wurden für die Frachtfahrt nicht mehr benötigt oder gebaut.

KØBENHAVN - Seemannsarbeit im Windjammer-Museum
KØBENHAVN – Seemannsarbeit im Windjammer-Museum